Island Reisezeit

Der raue Norden: Wer Touristenscharen auf Island lieber meidet, sollte im Herbst reisen

Wer noch unberührte Natur sehen will, der sollte sich auf eine Reise nach Island wagen. Ruhende Vulkane, Wasserfälle, Kraterreihen und riesige Gletscher, Kies- und Sandwüsten, Tafelberge und Vogelklippen – all diese Naturschönheiten locken auf den zweitgrößten Inselstaat Europas. Kurz unter dem Polarkreis, zwischen Norwegen und Grönland, können noch pure Abenteuer erlebt werden. Island lockt vor allem die Naturfans. Wenig Verkehr, meist eine spektakuläre Aussicht und gigantische baumlose Weitblicke sind hier zu genießen. Naturwunder wie beispielsweise Geysire mit meterhohen Fontänen und beheizbare Gehwege in der Hauptstadt sind nur einige der vielen Sehenswürdigkeiten der Insel. Island ist das ganze Jahr über eine Reise wert, doch Wetter und Klima sind nicht für jedermann geschaffen.

Eine feuchte Angelegenheit: Die Insel bietet häufig Regen

Wetterfeste Kleidung ist auf der Insel Pflicht. Das schönste am isländischen Wetter ist, dass es nicht beständig ist. Regnet es in einer Minute, kann schon kurze Zeit später wieder die Sonne scheinen. So kann an einem Tag gleich mehrfach unterschiedliches Wetter sein. Grundsätzlich herrscht hier ozeanisches Klima. Island liegt unter einem permanenten Tiefdruckgebiet, der Golfstrom sorgt jedoch für den Sommer. Im Norden ist der Grönlandstrom für die Kälte verantwortlich, im Süden der Irmingerstrom für wärmere Temperaturen. Trotz der Lage im hohen Norden ist auf der Insel jedoch ein eher milderes Klima zu finden, als die meisten zunächst annehmen. Die Temperaturen schwanken in einer kleinen Bandbreite: Im Juli und August können hier Maximalwerte von 12 Grad auftreten, im Winter fällt das Thermometer bis zu 6 Grad unter den Gefrierpunkt. Dabei ist es im Inland meist kälter als an den Küsten. Bodenfrost tritt vermehrt von Oktober bis April auf. Ein Ziel für Sommerbadeurlauber ist die Insel damit nicht. Wanderer und Naturliebhaber finden jedoch immer die richtige Zeit für Island.

Auch die Lichtverhältnisse auf der Insel sind hochinteressant. Gerade in den Sommermonaten wird es kaum dunkel. Im Juni lässt sich die Mitternachtssonne hervorragend beobachten. Am kürzesten Tag des Jahres, am 21. Dezember, gibt es immerhin noch vier Stunden Tageslicht. Die Polarnächte mit ihren Nordlichtern entschädigen jedoch in der dunklen Jahreszeit. Im März ist es auf der Insel schon wieder deutlich länger hell, als in Deutschland. Die meisten Sonnenstunden gibt es im Mai, mit rund 30,8 Prozent – etwa siebeneinhalb Sonnenstunden pro Tag. Der meiste Regen fällt im Oktober mit 109,1 Milliliter pro Tag. Dennoch haben fast alle Monate gleich viele Regentage im Jahr: zwischen minimal 14,9 im Mai und maximal 18,8 Regentage im Oktober. Island ist eine feuchte Insel. Die Luftfeuchtigkeit ist das gesamte Jahr über sehr hoch und unterschreitet selten den Wert von 80 Prozent.

Touristenzeit im Sommer, Abgeschiedenheit in Herbst und Winter

Island ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Doch je nach Vorlieben sollten sich Besucher bestimmte Monate aussuchen. Wer keine bestimmten Ziele verfolgt, sollte der Insel im Sommer einen Besuch abstatten. Im Juni und Juli blühen die meisten Pflanzen auf der Insel und es ist fast ausschließlich hell in dem Land. Das macht diese Reisezeit für Vogelliebhaber besonders empfehlenswert. Jedoch ist das auch die Hochzeit für Touristen. Fotografen finden das gesamte Jahr über interessante Lichtverhältnisse – ein Hauch von “Indian Summer” können sie im September einfangen. Wer es ein wenig ruhiger mag, sollte ebenfalls den September wählen. Hier ist der Touristenstrom aus der Wahlbeobachtungssaison (Juni bis August) letztlich abgeklungen und die Insel liegt wieder etwas ruhiger im Meer. Jedoch sind im Herbst viele Sommerhotels und Museen schon wieder geschlossen. Die Busverbindungen sind auch nicht mehr die gleichen, wie in den Sommermonaten. Daher sollte bei Rundreisen ein Auto gemietet werden.

Wer ein Winterabenteuer auf Island sucht, sollte Februar, März oder April wählen. In diesen Monaten ist es nicht mehr ganz so dunkel und es liegt noch ausreichend Schnee. Autoreisende müssen sich allerdings an die Fährzeiten halten. In den Wintermonaten machen die Schiffstransporte zwischen Färöer und Island eine Unterbrechung. Wann und wie lange diese ist, wird jährlich festgelegt. Musikliebhaber sollten die Festivalsaison beachten: Im Februar findet das „Food and Fun-Festival“ statt, der Mai lockt mit dem „Kunstfestival“ und der Oktober bietet das „Iceland Airwaves Festival“. Die berühmteste Sehenswürdigkeit – der „Golden Circle“ – ist das ganze Jahr über eine Reise wert. Diese Ringtour ausgehend von der Hauptstadt Reykjavík zu Wasserfällen und Gysiren wird von vielen Reiseveranstaltern alle zwölf Monate angeboten. Und wenn auf der Insel ein Vulkan ausbricht, sind die Isländer sehr spontan und öffnen ihre Hotels für die Touristenscharen unabhängig von der Jahreszeit. So hat der Ausbruch des „Eyjafjallajökulls“ im Jahr 2010 zwar fast den gesamten europäischen Flugverkehr lahm gelegt, aber der Insel einen Besucheransturm von Ende März bis in den Mai beschert.

Übrigens: Wer die Insel erkunden will, sollte sich mehr als eine Woche Zeit dafür nehmen. Die Weite der Strecken werden häufig unterschätzt. Die Straßen erlauben nicht immer Höchstgeschwindigkeit und im Mai sind beispielsweise auch noch nicht alle befahrbar. Island im Schnelldurchlauf ist eine verschenkte Reise!

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